Die BBC führt Interviews am HLG – 2015/2016

Im Rahmen des Schüleraustausches mit der City of London School (Nov. 2015) war zwar ein BBC Besuch mit auf dem Kulturprogramm, aber warum hat die BBC jetzt Interviews am HLG geführt ?

Philippa Goodrich, eine Journalistin der BBC, die vor mehr als 30 Jahren tatsächlich selbst als Fremdsprachenassistentin am HLG beschäftigt war, schien für die BBC genau die richtige Kandidatin zu sein, um im Rahmen des alljährlichen BBC School Reports (Schools in Britain and the world) eine Reportage durchzuführen, die in diesem Jahr das Thema „Refugees in Europe“ beinhaltete. Dafür war Hamburg als Bundesland ausgewählt worden, welches mit der Aufnahme einer großen Menge von Flüchtlingen über genügend Erfahrung verfügt.image1

Um Schülerinnen und Schülern die Chance zu geben, einmal selbst in die Rolle eines Reporters zu schlüpfen, erinnerte sich Mrs Goodrich an Hamburgs älteste bilinguale Schule. Frau Blütener stimmte ihrem Gesuch sofort zu und Frau von Borczyskowski als Englisch-Fachleiterin konnte einige Englischlehrer/innen für das Projekt gewinnen, die wiederum eine Gruppe von Schüler/innen ihrer Englischgruppen für das Projekt auswählten.
Dazu wurden Vertreter von politischen Parteien, eine Deutschlehrerin für Migranten, aber auch Flüchtlinge interviewt. Sie alle konnten aus verschiedenen Blickwinkeln über die Herausforderungen berichten, die einerseits durch die Anzahl der Neuankömmlinge besteht, die Finanzierung der Betreuungsprojekte sowie über die Schwierigkeiten der Unterbringung und letztlich der Integration in das Hamburger Alltagsleben, vor allem auch bezüglich der Probleme im Bereich Arbeitssuche und schulische Versorgung.

Folgende Schüler/innen nahmen am Projekt teil und habe Interviews geführt mit verschiedenen Teilnehmer/innen:IMG_7254
– Leander von Schönfeld und Piera (beide 8b): Interview mit Chr. Barthe von
der AfD
– Lynn Bessling und Pia Mozdzandowski (beide 9a): Interview mit einer Flüchtlingsfrau
– Flemming Ketteler und Cathleen Woelcke (beide 9a): männlicher Flüchtling (23 J.)
– Carlo Schwarz (7d) und Khashi Vafaei M. (9d): Deutschlehrerin für Flüchtlinge
– Alina Meyer (9d) und Sophie Volkmer (7d): Uwe Giffey von der SPD

Unsere Fremdsprachenassistentin Poppy Ashmore (Irland) konnte dabei große Hilfestellung leisten und den Schüler/innen an den drei Tagen zur Seite stehen. Mal war sie mit Schüler/innen bei Schneegestöber im Hamburger Hafen (um typische Hafengeräusche von Hamburg als „Gateway to the World“ aufzunehmen, ein anderes Mal wurden Geräusche aus dem Container des Flüchtlingsheims aufgenommen. Da sie auch beim Hamburger „Teemobil“ als freiwillige Mithelferin Tee und Kekse ausgibt, konnte sie auch diese Erfahrung – auch geräuschtechnisch – dokumentieren

Parallel dazu fanden mit den Lehrer/innen Frau von Szada, Frau Hermann, Frau Stroman und Herrn Brodersen Vorbereitungen zur Texterstellung und Nachbereitung der Interviews statt.

Frau Hermann fuhr mit dem Aufnahmeteam nach Niendorf, wo Herr Barthe (AfD) in einem Kirchenraum Deutschunterricht für Flüchtlinge gab und dem Schülerteam danach Auskunft über die Situation der Neuankömmlinge gaben konnte.

Herr Giffey von der Hamburger SPD, der sich auch gut auf Englisch äußern konnte, stellte die Problematik der Finanzierung dar, die im Senat diskutiert wird, aber auch das Problem der Integration allgemein.

Dazwischen folgte der Besuch von Mohamed, einem 23jährigen syrischen Studenten, der bereits vier Jahre IT-Studies an der syrischen Universität von Aleppo absolviert hat und von der Schwierigkeit berichtete, die deutsche Sprache zu erlernen. Er ist ein sehr freundlicher, intelligenter und höflicher Mann, der schon sehr gute Deutschkenntnisse besitzt, aber er würde gern in einen weiterführenden Kurs wechseln, was aber an der Überlastung der Behörden scheitert. Von Aleppo aus ist er heimlich geflüchtet und hat eine wahre Odyssee hinter sich, bis er in Hamburg aus dem Zug steigen durfte. Er berichtete von vielen scharfen
Polizeikontrollen, von abweisenden Ungarn, von Gefängnissen und aber auch
von der großen Hilfsbereitschaft der Deutschen. Gern möchte er in einer deutschen
Familie leben, um noch besser und schneller Deutsch zu lernen, aber manchmal verliert er seinen Lebensmut, weil er das Warten schlecht erträgt. Er lebt mit vier anderen Männern in einem Container in Harburg.

Eine in Deutschland aufgewachsene, türkische Lehrerin, die den Flüchtlingen in Kiel Deutschunterricht erteilt, berichtet, wie schwierig sich die Integration gestaltet und wie wichtig es wäre, auch im schulischen Bereich, Übersetzer zu engagieren, die bei der Verständigung helfen könnten. Sie klagt, dass allein ein „Welcome“ und Geschenke zu wenig sind, um Erfolge zu erzielen, und dass danach jegliche Form von Organisation hinsichtlich der Integration fehlt. Sie fügte hinzu, dass es besonders an der schulischen Eingliederung der jungen Migranten fehlt und sie befürchtet, dass es dadurch in manchen Stadtteilen schon bald zu einer Ghettoisierung führen wird.image2

Mrs Goodrich war am Ende überaus beeindruckt vom sprachlichen Können der HLG-Schüler/innen und ihrer Ausdauer, an diesem Projekt drei Tage lang mitzuarbeiten. Es war auch für uns Lehrer/innen erstaunlich, mitzuerleben, wie Schüler/innen, scheinbar problemlos, plötzlich Interviews auf Englisch formulieren, wie sie aus längeren, gesprochenen Texten abstrahierte Kurzfassungen erstellen können und trotz der teilweise auch jüngeren Teilnehmer/innen doch schon so viel Interesse an brisanten, politischen Themen zeigen – eine große Freude!

Hier können Sie/könnt ihr die BBC-Seite ansehen: HLG School Report BBC

Weitere Informationen finden Sie hier:

http://www.bbc.co.uk/programmes/p03lxb1q

http://www.bbc.co.uk/schoolreport/35820430

http://www.bbc.co.uk/schoolreport/student_reports

Almut Stroman

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