Besuch zum „Drachenläufer“

„Drachenläufer“ – das ist ein Roman von Khaled Hosseini über zwei Jungen und ihre Familien im Afghanistan seit den 1970er Jahren, der mich sehr beeindruckt hat. Dieses Land ist zwar sehr weit weg, doch da in Hamburg die größte afghanische Gemeinde Deutschlands lebt und wir dieses Werk im Deutschunterricht lasen, ergab sich der Besuch von zwei Frauen, Narges, die in Deutschland geboren wurde und Nasanin, die mit sechs Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen ist. Sie haben zwar nicht selbst in dem Afghanistan, das der Roman beschreibt, gelebt, allerdings konnten sie uns trotzdem viel von der Geschichte ihrer Eltern und vor allem ihrem Leben hier in Hamburg erzählen. Das Leben zwischen beziehungsweise mit zwei verschiedenen Kulturen sei nach ihrer übereinstimmenden Aussage nicht immer einfach. Jede Familie brauche unterschiedlich lange, um sich in Deutschland einzufinden. Bei den beiden sei es relativ schnell gegangen, aber trotzdem müssen sie sich einiges erkämpfen, wenn sie einen Mittelweg zwischen den Vorstellungen ihrer Eltern und ihren eigenen, vom Leben hier geprägten Ansichten finden wollen. Auch mit Partnern aus anderen Kulturen als der afghanischen sei es nicht leicht. Trotzdem empfinden beide das Leben mit zwei Kulturen als bereichernd; sie sagten, es habe sie u.a. offener gemacht.

Ihre Eltern seien während des Afghanistan-Krieges nach Deutschland gekommen und wollten eigentlich bei Kriegsende wieder zurück. Doch sie sind geblieben. Auch ein Großteil ihrer Verwandten habe Afghanistan mittlerweile verlassen. Wie es dort heute aussieht, ähnele den aktuellsten Beschreibungen im Roman. Schwierige Lebens- und Umweltbedingungen und die ständige Angst vor gewaltsamen Auseinandersetzungen halte einen im Haus gefangen, dem einzigen „sicheren“ Ort. So beschrieb es Nages Vater, der häufig geschäftlich nach Afghanistan reist. Während sich Nages eine Reise dorthin eher nicht vorstellen kann, will Nasanin dieses Land einmal mit eigenen Augen sehen.

Vom ethnischen Konflikt zwischen Hazara und Paschtunen, zwei Bevölkerungsgruppen in Afghanistan, der im Roman eine zentrale Rolle spielt, wissen die Beiden nur von ihren Eltern. Allerdings blieben die Ethnien hier auch eher unter sich.

Nasanin arbeitet zeitweise als Dolmetscherin für Flüchtlinge, beide engagieren sich ehrenamtlich bei der Organisation „Visions for children“, die u.a. zwei Schulen in Afghanistan gebaut hat und laufend unterstützt; für sie ist Bildung eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine bessere Zukunft – ein kleiner Motivationsschub für uns. :-)

Wir fanden das Gespräch sehr informativ, die Atmosphäre war nett und locker. Obwohl wir gerne von der älteren Generation noch etwas mehr über die Themen des Afghanistans im „Drachenläufer“ erfahren hätten, hat ihr Besuch uns einiges verständlicher gemacht. Wir erfuhren durch sie, wie man ein interkulturelles Leben leben kann, was einige aus dem Kurs mit ähnlichem Hintergrund besonders angesprochen hat.

Vielen Dank für euren Besuch!

Fieke Grunwaldt, IB-Profil (S2)

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