Bilingualer Unterricht

bili koordinator hlg brodersen

Rauert Brodersen

Koordinator für bilingualen Unterricht

rauert.brodersen@hlg.hamburg.de


 

Was ist bilingualer Unterricht?

Die zunehmende Internationalisierung des Bildungs- und Arbeitsmarktes in einer globalisierten Welt setzt die Beherrschung des Englischen als zentrale Schlüsselqualifikation voraus. Auf diese Anforderung haben wir reagiert: Ein bilingualer deutsch-englischer Zug wurde bei uns bereits im Jahre 1970 eingerichtet. Das Helene Lange Gymnasium war damit die erste zweisprachige Schule in Hamburg, und wegen des großen Erfolgs gibt es seit 1996 ausschließlich bilinguale Klassen am HLG. Auch als UNESCO-Projektschule verfolgen wir Zielsetzungen, die mit denen einer erhöhten Fremdsprachenkompetenz übereinstimmen – etwa die Förderung der Völkerverständigung und Toleranz nach dem Motto „think global, act local“. Nachdem die zweisprachigen Angebote in den 70er Jahren noch rar waren, haben bis heute in Deutschland ca. 600 Schulen die Bilingualität in ihr Profil aufgenommen. Angesichts der hohen Attraktivität und des großen Erfolgs dieser Angebote ist davon auszugehen, dass sich in Zukunft noch mehr Gymnasien dieser Entwicklung anschließen werden. In Hamburg bieten zur Zeit über 17 Gymnasien zweisprachige Züge an.

Was ist bilingualer Unterricht und wie werden die Schülerinnen und Schüler darauf vorbereitet?

Bilingualer Unterricht ist zweisprachiger Unterricht in einem Sachfach. Die beiden Sprachen sind in unserem Fall Englisch und Deutsch. Der Unterricht findet dabei überwiegend auf Englisch statt, wobei die fachlichen Inhalte und nicht die Sprache im Vordergrund stehen. Die Fremdsprache ist demnach „weniger Gegenstand des Unterrichts als vielmehr Medium zur Bewältigung von fachspezifischen Lern- und Arbeitsprozessen.“ (Vgl. Wildhage/ Otten (Hg.), Praxis des bilingualen Unterrichts, Berlin: Cornelsen Scriptor 2009, 18.) Der Englischunterricht wird in der Beobachtungs- und Mittelstufe im Vergleich zu Schulen ohne bilingualen Zweig signifikant verstärkt, so dass die Stundenzahl deutlich über der vorgegebenen Mindestzahl liegt. Insbesondere bereitet der verstärkte Englischunterricht in den Jahrgängen 5 und 6  die Schülerinnen und Schüler auf das erste bilinguale Sachfach vor.  In der Folge bietet dies den Schülerinnen und Schülern die Chance, nicht nur intensiver und umfangreicher die englische Sprache zu erlernen, sondern auch aufgrund der schnelleren Lernprogression über das Schulbuch hinaus gezielt erste Themen und Arbeitstechniken zunächst aus den Fächern History und Geography zu erschließen. Das erste bilinguale Sachfach ist im Jahrgang 7 History. Es wird dreistündig statt üblicherweise zweistündig erteilt und findet dann von Jahrgang 8 bis 10 zweistündig statt. In Klasse 8 (bis 10) kommt Geography hinzu – im Anfangsjahr wie History dreistündig. Ab Klasse 9, und ebenfalls bis einschließlich Klasse 10, schließlich wird Biology zweistündig auf Englisch unterrichtet.

Welche Fächer werden auf Englisch unterrichtet und wie sieht der bilinguale Stundenplan am HLG aus?

Die Tabelle zeigt den Aufbau noch einmal im Überblick:

 Jahrgang Englischstd.  bilingualer Fachunterricht
5 6  –
6 6  –
7 5  History 3 Std.
 8 4  History 2 Std., Geography 3 Std.
 9 4  History 2 Std., Geography 2 Std., Biology 2 Std.
 10 4

 History 2 Std., Geography 2 Std., Biology 2 Std.

 

Wird der bilinguale Unterricht in der Oberstufe fortgeführt?

In der Oberstufe wird das bilinguale Angebot für interessierte Schülerinnen und Schüler fortgeführt: im Profil „Humans and their environment“ beschäftigen sie sich mit dem Wechselspiel zwischen menschlicher Anpassung an den Lebensraum und der Formung des Lebensraumes durch den Menschen, und den Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Einflussnahme. Aufgrund der internationalen Relevanz und Dimensionen dieser Fragestellungen werden die Profilfächer auf Englisch unterrichtet: Geography (profilgebend) sowie Biology und History (profilbegleitend).

Seit August 2003 bietet das Helene Lange Gymnasium allen Interessierten auch die Möglichkeit, sich zusätzlich zum Abitur für das International Baccalaureate (IB) zu bewerben. In diesem Programm werden alle Fächer – abgesehen von Deutsch natürlich – auf Englisch unterrichtet. Dadurch erlangen die Lernenden eine fast perfekte Sprachkompetenz, die sie in besonderem Maße auf die Anforderungen eines international orientierten Studiums und Berufslebens vorbereitet.

Ergänzend zum Englischunterricht in der Oberstufe werden Interessierte ab Jahrgang 10 in einer AG auf das Cambridge Certificate of Proficiency in English (CPE) vorbereitet. Das CPE ist ein international anerkanntes Zertifikat, das den Absolventen Englischkenntnisse auf höchstem Niveau bescheinigt. Wir sehen diese Angebote als Fortführung und Erweiterung unseres bilingualen Profils, denn so können Schülerinnen und Schüler ihre bereits in der Sekundarstufe I erworbene Englischkompetenz auch in der Sekundarstufe II konsequent vertiefen und schulen. Am Ende der Jahrgangsstufe 10 erhalten alle Schülerinnen und Schüler ein bilinguales Zertifikat, das ihnen bescheinigt, welche Fächer sie auf Englisch gelernt haben und somit Auskunft über ihre erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen gibt. Ergänzend zum Abiturzeugnis erhalten Schülerinnen und Schüler, die auch in der Oberstufe ein oder mehrere bilinguale Kurse belegt haben, ein zweites Zertifikat.  

Welche Vorteile bietet der bilinguale Unterricht?

• Near native competence

Im Zeichen von Globalisierung und Europäischer Einigung stellt der Arbeitsmarkt hohe fremdsprachliche Anforderungen an junge Berufsanfänger. Fließendes Englisch wird zunehmend als lingua franca und Konzernsprache vorausgesetzt. Die Englischkenntnisse vieler Abiturientinnen und Abiturienten werden diesen erhöhten Anforderungen aber oft nicht gerecht. Der bilinguale Unterricht ist nachweislich eine der effektivsten Methoden, sich die englische Sprache vertieft und umfassend anzueignen. Die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten in den Klassen 6 und 8 sowie die Ergebnisse der Lernausgangslagenuntersuchung (LAU) in den Jahrgängen 7 und 9 belegen diese Aussage und den großen Erfolg dieses Profils. Im bilingualen Unterricht wird der Fremdsprachen-Input erheblich gesteigert, denn in der Mittelstufe werden bis zu drei Sachfächer auf Englisch unterrichtet – also 10 Wochenstunden Unterricht in englischer Sprache statt der üblichen 3 oder 4. Zudem wird ein anspruchsvolles Vokabular akademischer Fachsprache erworben und damit ein Wortschatz, der zum Beispiel durch einen einjährigen Amerika-Aufenthalt meist nicht erlangt wird.

Sprachübergreifende Methodenkompetenz

Durch das inhaltsbezogene Kommunizieren in den verschiedenen Sachfächern entsteht eine vernetzte Sprachkompetenz und kein isoliertes Sprachwissen. Methodische Kompetenzen wie selbständiges Erarbeiten von Fakten, Analysieren von Statistiken und Schaubildern, Präsentationen etc. werden auf Englisch und in der Muttersprache erworben. Der flexible Umgang mit verschiedenen englischsprachigen Materialien wird selbstverständlich.

• Relativierung der eigenen Kultur durch interkulturelles Lernen

Neben Selbständigkeit, Teamfähigkeit und Sprachkompetenz sind in einer globalisierten Welt auch Toleranz und Weltoffenheit Schlüsselqualifikationen. Der bilinguale Unterricht erweitert und öffnet den nationalen Blickwinkel bereits durch das verwendete Material. Englische oder amerikanische Schulbücher, die ergänzend zu den bilingualen Materialien deutscher Schulbuchverlage eingesetzt werden, vermitteln eine fremde Sicht und werden somit der Forderung nach Multiperspektivität gerecht. Der explizite Vergleich englischer und deutscher Geschichtsbücher, etwa zu Themen wie »Ausbruch des Ersten Weltkriegs«, führt zur Relativierung des nationalen Standpunktes. Die Zweisprachigkeit bietet dabei immer wieder Lernchancen durch den expliziten Vergleich der Fremd- und Eigensicht.

bili-unterricht hlg interkulturelles lernen

Das Nachdenken über Sprache und ihre Wirkung sei beispielhaft an folgender kleiner Übung zur »Erziehung im Dritten Reich« aus einem bilingualen Geschichtsbuch von Klasse 9 verdeutlicht. Hier sollen die Schüler das Wort »gehören« so ins Englische übersetzen, dass es der Bedeutung des Plakats gerecht wird. Durch die Spracharbeit vertieft sich die Erkenntnis, wie die Nationalsozialisten Sprache propagandistisch genutzt haben: Different translations of »gehören«:

• (to) belong to … (to) be owned by …(to) be part of … (to) be held by …(to) be the property of …(to) be associated with …(to) be allied to … (to) be attached to …(to) be connected with …

Welche Inhalte werden unterrichtet?

In allen bilingualen Sachfächern müssen die Hamburger Rahmenpläne erfüllt werden. Die Schülerinnen und Schüler lernen also die gleichen Inhalte, wenn auch aufgrund der fremdsprachlichen Materialien manchmal mit einem anderen Schwerpunkt oder an angelsächsischen Beispielen. Um die Verlangsamung des Lerntempos im bilingualen Anfangsunterricht auszugleichen, stehen jeweils im ersten Jahr der Sachfächer History und Geography drei statt zwei Wochenstunden zur Verfügung. Im Fach Englisch ist der Unterricht aufgrund der höheren Stundenzahl den Rahmenvorgaben meist weit voraus. Das Lehrbuch wird zwar auch verwendet, aber es wird früher und intensiver mit der Lektüre von Ganzschriften und anspruchsvoller eigener Textproduktion begonnen. Durch das vom Schulbuch mehr und mehr gelöste Lernen gewöhnen sich die Schülerinnen und Schüler schon früh an unterschiedliche Textsorten mit verschiedenen Anspruchsniveaus. Zudem wird in kleineren Projekten auf das freie Schreiben bzw. die freie Kommunkation vorbereitet.

Kommen deutsche Fachbegriffe nicht zu kurz?

Schlüsselbegriffe eines Themas werden selbstverständlich auch auf deutsch eingeführt. Damit dies aber nicht zu einer Überfrachtung führt, wird stets sorgfältig unterschieden zwischen Transferwortschatz, also wichtigen Fachtermini oder Ausdrücken, die immer wieder auftauchen, und Wortschatz, der nur für das Verständnis einzelner Materialien wichtig ist. Nur der Transferwortschatz muss gelernt werden. Erfahrungsgemäß werden die Fachbegriffe im bilingualen Unterricht sogar tiefer verankert und sind besser verfügbar als im herkömmlichen Fachunterricht, da die neuen und fremden Begriffe (sowohl muttersprachlich als auch fremdsprachlich fremd!) sorgfältiger eingeführt und wie Vokabeln wiederholt werden. Bei der Wiederholung werden gleichzeitig Sprache und Inhalte umgewälzt und gefestigt.

Wie werden die Leistungen im bilingualen Unterricht benotet?

In erster Linie wird die inhaltliche Arbeit bewertet. Die Tests oder Klassenarbeiten haben englische Aufgabenstellungen und werden von den Schülerinnen und Schülern auch auf Englisch bearbeitet. Dabei werden sprachliche Fehler von der Lehrkraft zwar angestrichen und verbessert, gehen aber nicht in die Wertung ein. Oft gibt es jedoch einen kleinen Vokabelteil in den Tests. Eine begrenzte Menge an Fachausdrücken muss dann – wie in anderen Kontexten auch – richtig geschrieben werden.

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