Mein Aufenthalt als Lehrer-Praktikant in Tansania

Kurz zu mir: Ich heiße Laurin und habe 2017 am HLG mein Abitur absolviert.

Anfang dieses Jahres habe ich für knapp drei Monate die Kiluvya Secondary School, welches die Partnerschule des HLG ist, besucht.

Wieso habe ich das gemacht?

Da eine meiner größten Leidenschaften das Reisen und Kennenlernen anderer Länder und Kulturen ist und ich schon lange mal nach Afrika wollte, kamen der Abiball 2018 und das Gespräch mit Herrn Dr. Mattlinger gerade richtig. Bei unserem Gespräch, bei dem auch darum ging, was man denn so in Zukunft machen wolle, erzählte ich ihm von meinen Plänen nach Afrika zu gehen und er legte mir mit Nachdruck nahe, dass ich doch unbedingt Kontakt zur Partnerschule aufnehmen solle. Herr Serbser erzählte mir im persönlichen Gespräch dann noch Genaueres und stellte den Kontakt zur Schule her.

Anreise

Gesagt getan, einige Monate später und nach einem „Ach, komm doch einfach vorbei und wir gucken dann, was wir machen“ von der Schulleiterin saß ich dann im Flieger nach Dar es Salaam.

Dort angekommen erwarteten mich Anfang Januar eine „Klatsche ins Gesicht“ in Form von extrem schwüler Luft und ein sehr freundlicher Yussuph Mbalu (Civics Teacher). Vom ersten Moment an, nachdem wir ins Auto stiegen und das Radio mit lokaler Gute-Laune-Summer-Vibes-Musik an war, war ich mehr als glücklich und bereit, dieses Abenteuer anzugehen.

Der anfängliche Kulturschock war groß, weil einfach gefühlt alles anders war (Sprache, Klima, soziale Ungleichheit, Kultur etc.). Ich wohnte bei einer der Lehrerinnen von der Kiluvya Secondary School und ihrer Familie, wo ich mich durch die offene und freundschaftliche Art schnell zu Hause fühlte.

Dar es Salaam kann man sich abgesehen von der Innenstadt, welche moderner und enger bebaut ist als der Rest, wie ein riesiges Dorf mit vier Millionen Menschen vorstellen, nur ganz anders als Deutschland.

In dem Vorort, in dem auch die Schule liegt, gibt es fast keine Wohnungen, sondern Familienhäuser und die meisten Leute haben eigene Tiere (Hühner, Kühe, Schweine etc.) und versorgen sich, soweit es geht, selber. Es ist nicht selbstverständlich, fließendes Wasser und Strom zu Hause zu haben.

Der Alltag an der Kiluvya Secondary School

Am Morgen des ersten richtigen Tages ging ich auch schon das erste Mal zur Schule. Die Schule ist am westlichen Rand der Stadt gelegen und durch eine der vier großen Hauptstraßen zu erreichen. Dadurch, dass es nur wenige asphaltierte Straßen für das tägliche Verkehrsaufkommen der Stadt gibt, gibt es auch zu fast jeder Tageszeit Stau. So wurde aus einem gar nicht so weiten Weg eine tägliche einstündige Busfahrt.

In der Kiluvya Secondary School lernen etwa 1200 Schüler/innen. Dadurch, dass es zu wenige Klassenräume und Lernmaterial gibt, sind die Klassen mit 60-75 Schüler/innen, welche sich Tische sowie Stühle mit anderen Schüler/innen teilen müssen, ziemlich überfüllt. Die Lehrer haben mich sehr freundlich empfangen und ich wurde mit Spezialitäten aus Tansania regelrecht überschüttet.

Anfangs war mir noch nicht ganz klar, was ich nun wirklich an der Schule machen werde. Die erste Woche habe ich im Englischunterricht assistiert und wie es der Zufall so wollte, war die Lehrerin, bei der ich besonders oft im Unterricht war, hoch schwanger und nach zwei Wochen auch schon nicht mehr da. Also habe ich von dem Zeitpunkt an dann ihre Klassen in Englisch unterrichtet.

Das war nicht nur für mich, sondern auch für die Schüler/innen eine riesen Aufregung, weil die meisten noch nie mit einem/r Deutschen oder Europäer/in in Kontakt getreten sind. Wider Erwarten hörten die Kinder stets gespannt und leise zu bei dem, was ich sagte.

Das Schulsystem an sich ist dem deutschen sehr ähnlich aber wenn es zum Durchsetzen der Autorität kommt, sind die Methoden in Tansania noch wie früher bei uns, denn die Schüler/innen werden immer noch körperlich bestraft. Das war anfangs echt schwierig mit anzusehen für mich. Aber ich hatte immer wieder kleine Erfolgserlebnisse, als ich versucht habe, einige Lehrer davon zu überzeugen, dass dies vielleicht nicht der beste Weg ist, um für Ruhe im Klassenraum zu sorgen.

Was für mich als leidenschaftlichem Fußballspieler besonders toll war, ist, dass jeder ganz gut kicken kann und große Lust hat Fußball zu spielen. Dadurch war es für mich immer sehr einfach mit anderen in Kontakt zu kommen.

Fazit

Je länger ich da war, desto wohler fühlte ich mich, auch dadurch, dass ich anfing ein bisschen die Sprache zu sprechen und mich an alles mehr oder weniger gewöhnte.

Was mich besonders überrascht und gefreut hat, war, wie freundlich ich wirklich von allen aufgenommen wurde. Ich hatte nie das Gefühl mich in irgendeiner Situation unsicher fühlen zu müssen, auch nicht als ich durchs Land gereist bin am Ende meines Aufenthaltes.

Auch dass man selbst mal das Gefühl hatte, einer Minderheit anzugehören, war eine spannende Erfahrung.

Ich kann nur sagen wie sehr mich dieser Aufenthalt bereichert hat und empfehle es jedem, der Lust hat neue Dinge zu erleben und seinen Horizont zu erweitern, denn wenn man sich darauf einlässt, nimmt man Einiges aus so einer Zeit mit.

Es ist schwierig, alle meine Erfahrungen und Impressionen in so einen kleinen Text zusammenzufassen. Wenn jemand mehr wissen möchte, kann er oder sie sich gern über Herrn Serbser an mich wenden. Ich wünsche allen, die am Austausch teilnehmen, schon mal ganz viel Spaß!

Laurin Windeknecht

 

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