‚Sie saßen an einem Tisch‘

Unsere Idee hat funktioniert! Wir waren gespannt, wie groß das Interesse an der Ausstellung sein würde und wie die Besucherinnen und Besucher mit unserem ‚Schilderwald‘ umgehen. Es sollte eine interaktive Ausstellung, eine Ausstellung ‚zum Anfassen‘ sein. Und genau so war es!

Das Interesse war überwältigend, der Platz in der Aula war ausgereizt und die Resonanz höchst erfreulich. Junge Menschen, ältere Menschen, Lernende und Lehrende, Ehemalige, Eltern und Freunde des HLG kamen, ließen die Portraits derer, die einst an einem Konferenztisch saßen auf sich wirken, machten sich ein Bild ihrer Einstellung und Gesinnung und waren mal erstaunt, mal überrascht; man kann eben selten vom Äußeren eines Menschen auf dessen Charakter schließen…

Und der Tisch, an dem die Lehrerinnen und Lehrer vor 80-90 Jahren saßen stand nicht irgendwo – er stand in dem Schulgebäude, das wir alle täglich betreten, das auch unser Arbeitsplatz ist, was die Distanz zum geschichtlichen Geschehen deutlich reduziert.

Ab jetzt kann die Ausstellung ‚Sie saßen an einem Tisch‘ auch im Unterricht eingesetzt werden; es gibt einen Materialordner und einen Fragenkatalog, der natürlich auch jederzeit erweitert oder verändert werden kann.

Herr Müller schloss mit den in dieser Zeit zuversichtlichen Worten eines Revolutionsliedes von 1848:

„Trotz alledem!

Trotz alledem und alledem,

Trotz Dummheit, List und alledem;

Die Menschlichkeit behält den Sieg

Trotz alledem!“

Auch Laura aus der 9. Klasse hat die Ausstellung besucht:

Der zweite Weltkrieg und die Macht der Nationalsozialisten sind bis heute große Themen in unserer Gesellschaft. Die Ausstellung „Sie saßen an einem Tisch“ hat sich genau um diese Zeit am Helene-Lange-Gymnasium gedreht.
Der Aufbau war simpel, aber sehr durchdacht und praktisch. Es gab bewegbare Aufsteller, auf denen Steckbriefe zu ehemaligen Lehrern und Lehrerinnen am HLG befestigt waren. Auf der einen Seite konnte man sich über einige persönliche Dinge informieren und auf der anderen Seite des Aufstellers war es möglich sich ein paar Zitate oder Taten der Person durchzulesen. Es waren sehr viele Menschen da; daher war ich am Anfang skeptisch, ob wir alle einen guten Einblick bekommen könnten. Allerdings hat sich das Prinzip als sehr gut erwiesen. Schon relativ schnell wurden die Aufsteller gut im Raum verteilt und wenn man einen lesen wollte, nahm man ihn sich einfach ein wenig zur Seite.
Der Inhalt der Steckbriefe war auch sehr interessant. Ich hatte mir vorher keine wirklichen Gedanken dazu gemacht, was ich erwartete, oder wovon ich glaubte zu lesen. Aber mit dem, was ich gelesen habe, hatte ich nicht gerechnet. Ich habe erfahren, wie nationalsozialistisch einige der früheren Lehrkräfte gedacht haben und es war ein Schock zu sehen, dass viele dieser Lehrer und Lehrerinnen sogar höhere Positionen im Schulleben hatten. So hatten zum Beispiel viele Personen, die äußerlich ganz sympathisch wirkten eine sehr verdrehte Sicht auf die Welt. Und ich war nicht die einzige, die häufig erstaunt oder überrascht war. Von vielen Leuten habe ich mitbekommen, wie viel Neues sie bei dieser Ausstellung erfahren haben.
Das bedeutendste finden ich und auch viele mit denen ich gesprochen hatte, dass das alles in den Räumen des HLG stattgefunden hat. Diese Lehrer und Lehrerinnen mit all ihren Gedanken und Einstellungen haben sich genau da aufgehalten, wo wir uns jetzt täglich aufhalten. In den Räumen, in denen wir Unterricht haben. Genau da!
Alles in allem war die Ausstellung sehr augenöffnend und beeindruckend.

Stimmen nach der Veranstaltung:

„Ihr habt mit den Schülerinnen und Schülern eine sehr interessante Ausstellung entwickelt und absolut unterrichtstauglich verwirklicht! Die handlichen, überall schnell einzusetzenden ‚Infoständer‘ (Gruß an Herrn Bonhoff!) sind informativ, nicht überfrachtet und lassen Raum für Fragen und weitere Recherchen.“

„Gerade zum jetzigen Zeitpunkt ist euer Projekt ein guter Impuls für Lernende und Lehrende, sich mit der aktuellen Situation auch im Unterricht auseinanderzusetzen und zu verstehen, warum sich Geschichte in dieser Form nicht wiederholen darf.“ 

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